Am Wochenende haben wir ihren Grossonkel Ernst in Munkfors besucht. 2005 ist er im Alter von 65 Jahren nach Schweden ausgewandert - eine respektable Leistung ! Er hat ein huebsches kleines Ferienhäuschen samt zugehörigen 3000 qm Fläche, das ist - so man nicht in Stockholm wohnt- mehr oder minder Standard hier und man kriegt die Grundstuecke auch fast fuer umme nachgeworfen.
Wie man sieht ein typisches schwedisches Häuschen in rot-weiss. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch erklären lassen, woher diese Farbkombination kommt: In Schweden gibt es viel Kupfer, so dass die rote Kupferfarbe sehr billig war. Daher strich vor allem die ärmere Bevölkerung ihre Häuser rot an. Die Oberschicht hingegen strich ihre Häuser gelb, man konnte also schon an der Farbe des Hauses den Stand des Besitzers ablesen.Auf dem Weg nach Munkfors haben wir nach einen spontanen Abstecher nach Gripsholm gemacht. Dort befindet sich auch das Schloss Gripsholm, das vom Adelsgeschlecht der Grip auf einer kleinen Insel (=Holm) erbaut wurde. Wir hatten richtiges Glueck und einen wunderbaren Sonnentag, hier ein paar Impressionen:



Auf dem Rueckweg hätte es uns dann beinahe in einen 10km Stau verschlagen den wir gerade noch umfahren konnten. Wir haben die Gelegenheit dann genutzt um einen kleinen Örtchen Pause zu machen (fragt mich jetzt bitte nicht wie der hiess....) und zufälligerweise war da gerade ein Mittelaltermarkt:

Montags war Chapterafternoon, d.h. die einzelnen Chapters haben sich ein wenig vorgestellt. Das Chapter ist hier sozusagen die Fachschaft, mit eigenen Räumlichkeiten (bei den Physikern 'das Konsulat') und allem ws so dazugehört. Ganz wichtig sind dabei die Mikrowellen und Herde im Konsulat, denn leider gibt es hier keine Mensa. Es ist also Selbstversorgung angesagt. Auf dem Campus gibt es zwar einige Restaurants und Kantinen die nicht so teuer sind wie normalerweise, aber unter 50 SEK fuer eine Mahlzeit kommt man trotzdem nicht weg. Das geht auf Dauer ganz schön ins Geld, daher ist selbstkochen angesagt.
Eine Besonderheit die die Chapter hier auszeichnet sind die Overalls. Jede Fachschaft hat Overalls in einer bestimmten Farbe (orange bei den Physikern) und die Mitglieder der Fachschaft (vielleicht auch alle, so ganz hab ich das noch nicht raus) laufen ständig darin herum. Diese Overalls gibt es in den verschiedensten Ausfuehrungen, ganz ausgefallen auch als Frack, und werden mit bunten Aufnähern, Pins, Troddeln usw. versehen. Diese Aufnäher gibt es meist fuer die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen, an der Anzahl der Aufnäher kann man also grob das Studienalter ablesen. Ich bemuehe mich, mal ein paar interessante Exemplare abzulichten und dann hier zu posten :)
Bei diesem Chapterafternoon wurden wir dann auch darueber aufgeklärt, wie hier die Erstsemesterbegruessung abläuft. Die Erstis heissen hier 'nollan', was soviel wie Nullen bedeutet. In jedem Chapter gibt es die Bad Guys und die Good Guys. Die Bad Guys sind fuer gewöhnlich an den Sonnenbrillen und den grummligen Gesichtszuegen zu erkennen. Die Nollan mussen ihnen mit einem speziellen Gruss respekt zollen und werden kräftig von runtergeputzt. Wer sich jetzt an die merkwuerdigen Aufnahmerituale von amerikansichen Studentenverbindungen erinnert fuehlt sei beruhigt, das ist hier alles ganz harmlos und auch die Nollan haben einen riesen Spass dabei :) Nichtsdestotrotz sind die Nollan erstmal Frischlinge und bezahlen z.B. beim Vällkommensgasque mehr Eintritt als die 'Fysiker'. Zu Physikern werden sie dann erst beim nächsten Gasque.
Mehr zu Gasques, weiteren Besuchen und vieles mehr nach der nächsten Mau.... äh im nächsten Post !
1 Kommentar:
Hört sich ja schwer nach Pfadfinder an:) Der Gute Orden Fieselschweif:D
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